Wärme auf Berliner Art?

Nachdem Vattenfall seine Braunkohletagebaue in der Lausitz komplett verkauft hat, präsentiert sich der schwedische Konzern in Berlin nun als umweltfreundlicher und innovativer Energiedienstleister und -produzent. Öko-Wärme, Technologie der Zukunft und ein offenes Herz für die BerlinerInnen? Wir nennen drei Gründe, warum Vattenfall nicht so hip ist, wie sich das Unternehmen in seiner aktuellen Kampagne gerne selber sehen möchte.

 

Doch Vattenfalls Netze versprechen mehr, als sie (aus)halten

 

1. Fernwärme nicht ganz so umweltschonend

Vattenfall behauptet, einen maßgeblichen Beitrag zu Berlins Klimaneutralität bis 2050 zu leisten. Tatsächlich wird aber Vattenfalls Fernwärme in den Steinkohlekraftwerken Reuter West und Moabit sowie den zahlreichen Gaskraftwerken innerhalb der Stadtgrenzen erzeugt.

Von der  schmutzigen Steinkohle, die bis 2030 weiterhin eingesetzt werden soll, werden jedes Jahr 3,8 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Zwei von Vattenfall betriebene Kraftwerke alleine setzen somit fast so viel CO2 aus wie ganz Namibia in einem Jahr. Daneben wird Fernwärme vor allem aus Erdgas hergestellt. Dabei ist Erdgas zwar weniger klimaschädlich, aber noch lange nicht klimafreundlich. Um das Ziel eines klimaneutralen Berlins bis 2050 zu erreichen, muss der Anteil der erneuerbaren Energien für die Wärmeversorgung (aktuell unter 2%) ausgebaut werden. Denn Strom und Wärme sind in Berlin immer noch zu 96% fossilen Ursprungs.

 

2. Power-to-Heat statt erneuerbarer Energien

Bei dem Power-to-Heat-Verfahren soll überschüssiger Strom aus regenerativen Quellen in Wärme umgewandelt werden. Doch Überschussstrom entsteht zumeist nur deshalb, weil weiterhin existierende Kohlekraftwerke die Netze mit Strom aus schmutziger Braunkohle verstopfen. Bislang hat Vattenfall noch nicht schlüssig dargelegt, dass es sich bei Power-to-Heat um eine klimafreundliche und ausreichend nutzbare Zukunftstechnologie handelt. Der Ausbau von Power-to-Heat birgt vielmehr die Gefahr, Berlin noch abhängiger von Braunkohlestrom aus der Lausitz zu machen.   

 

3. Ein Partner für Berlin mit eigenen Interessen

Vattenfall präsentiert sich als Partner der Stadt, der auf dezentrale Lösungen setzt. Gleichzeitig stellt sich Vattenfall aber gegen die Berlinerinnen und Berliner, wenn es um ihr kommunales Stromnetze geht. Vor Gericht versucht Vattenfall nämlich die Vergabe des Netzbetriebs an kommunale Betreiber zu verhindern bzw. hinauszuzögern. Je länger die Vergabe hinausgezögert wird, desto länger kann Vattenfall das Netz weiterbetreiben und sein Geld an den Netzentgelten verdienen. Wärme auf Berliner Art sieht anders aus.